Das digitale Kennenlernen mit unserer Tragemutter

Veröffentlicht am 16. Januar 2025 um 10:56

Nachdem wir unsere Vorstellungen für das Matching geklärt und gemeinsam mit unserer Agentur über ein mögliches Match gesprochen hatten, kam der Moment, in dem aus dem bisher abstrakten Matching-Prozess eine persönliche Begegnung wurde:

das erste persönliche Gespräch mit unserer potenziellen Tragemutter.

Es fand per Video statt. Und obwohl zwischen uns ein Bildschirm lag, war dieses Gespräch für uns einer der Momente, in denen unser Weg zur Familie plötzlich sehr konkret wurde.

Wie Matching grundsätzlich funktioniert, welche medizinischen und persönlichen Faktoren dabei eine Rolle spielen und welche Fragen wir heute für wichtig halten, erklären wir separat:

Die Suche nach der richtigen Tragemutter: Matching, Kriterien und Kennenlernen

Auf dieser Seite geht es nur um unsere Erfahrung mit diesem ersten Gespräch.

Inhaltlich überarbeitet: 16. August 2026
Von: Martin & Robert · Papaarade


Der Zoom-Link war plötzlich mehr als nur ein Termin

Als wir den Link für das Gespräch erhielten, waren wir nervös.

Bis dahin hatten wir sehr viel geplant, recherchiert und mit der Agentur besprochen. Wir hatten über medizinische Voraussetzungen, Vorstellungen und Rahmenbedingungen nachgedacht.

Aber nichts davon konnte beantworten, wie es sich anfühlen würde, der Frau tatsächlich gegenüberzusitzen, die vielleicht einmal unser Kind austragen würde.

In diesem Moment ging es nicht mehr um eine Checkliste.

Es ging um Begegnung.


Wir wollten vorbereitet sein, aber nicht wie in einem Bewerbungsgespräch

Natürlich hatten wir uns vorher Gedanken darüber gemacht, was wir wissen wollten.

Einige unserer Fragen waren:

  • Warum möchte sie Tragemutter werden?
  • Wie stellt sie sich die Beziehung zu uns während der Schwangerschaft vor?
  • Welche Werte sind ihr wichtig?
  • Wie geht ihre Familie mit ihrer Entscheidung um?
  • Was wünscht sie sich von uns als Intended Parents?
  • Wie möchte sie während der Schwangerschaft kommunizieren?
  • Welche Erwartungen hat sie an die Zeit nach der Geburt?

Wir wollten nichts Wichtiges vergessen.

Gleichzeitig wollten wir aber auch nicht mit einem Fragenkatalog vor einem Bildschirm sitzen und das Gespräch Punkt für Punkt abarbeiten.

Denn genauso wie wir herausfinden wollten, ob sie zu uns passt, sollte sie herausfinden können, ob wir zu ihr passen.


Dann saßen wir uns tatsächlich gegenüber

Als das Gespräch begann, war die Aufregung erst einmal da.

Doch es dauerte nicht lange, bis sich das Gespräch natürlicher anfühlte.

Unsere potenzielle Tragemutter war offen, reflektiert und interessiert. Wir sprachen über Familie, ihre Motivation, frühere Schwangerschaften und darüber, wie wir uns unseren gemeinsamen Weg vorstellten.

Wir erzählten auch von uns.

Von unserem Kinderwunsch.

Von unseren Hoffnungen.

Von den Dingen, bei denen wir selbst noch nicht wussten, wie sie sich einmal anfühlen würden.

Und sie stellte uns genauso Fragen.

Das war wichtig.

Denn dadurch fühlte es sich für uns nicht wie ein Bewerbungsgespräch an, bei dem wir eine Frau beurteilen.

Wir lernten uns gegenseitig kennen.


Was uns an diesem Gespräch besonders in Erinnerung geblieben ist

Vor dem Gespräch hatten wir viele theoretische Fragen.

Währenddessen wurde etwas anderes wichtiger:

Wie sprechen wir miteinander?

Können wir offen sein?

Können wir auch über schwierige Themen reden?

Interessiert sie sich dafür, wer wir als Menschen sind?

Interessieren wir uns wirklich dafür, wer sie ist?

Und entsteht das Gefühl, dass wir einander vertrauen könnten, wenn später etwas nicht genau nach Plan läuft?

Das lässt sich nur begrenzt aus einem Profil herauslesen.

Bei uns entstand trotz der räumlichen Distanz ziemlich schnell eine persönliche Verbindung.

Nicht, weil jeder Satz perfekt war.

Sondern weil das Gespräch sich irgendwann nicht mehr wie ein organisierter Termin anfühlte.


Wir wollten keine rein administrative Beziehung

Eine der Fragen, die uns beschäftigte, war die Art der Beziehung während der Schwangerschaft.

Für uns war klar, dass wir während der Schwangerschaft persönlichen Kontakt mit ihr haben wollten.

Wir wollten die Schwangerschaft begleiten und miteinander sprechen können.

Gleichzeitig war uns wichtig, nicht einfach vorauszusetzen, dass unsere potenzielle Tragemutter dieselbe Vorstellung von Nähe hatte wie wir.

Auch sie hatte ein eigenes Leben, eine Familie und eigene Erwartungen an diesen Prozess.

Deshalb ging es in unserem Gespräch nicht darum, eine bestimmte Beziehung festzulegen.

Es ging darum herauszufinden, ob unsere Vorstellungen miteinander vereinbar waren.


Es ging nicht nur darum, ob wir Ja sagen würden

Das war vielleicht eines der wichtigsten Dinge, die wir während des Matching-Prozesses verstanden haben:

Wir waren nicht die einzigen Menschen, die eine Entscheidung trafen.

Auch unsere potenzielle Tragemutter musste nach diesem Gespräch entscheiden:

Möchte ich mit Martin und Robert diesen Weg gehen?

Wir konnten das Gespräch also nicht einfach beenden und sagen:

Sie ist es.

Es brauchte ein gegenseitiges Ja.

Und genau dadurch fühlte sich dieser Prozess für uns zunehmend weniger wie eine „Auswahl“ und mehr wie der Beginn einer Beziehung an.


Was wir aus dem ersten Kennenlernen mitgenommen haben

Rückblickend würden wir uns für ein solches Gespräch wieder vorbereiten.

Aber wir würden nicht versuchen, es zu perfektionieren.

Für uns waren vor allem vier Dinge wichtig:

Vorbereitung gibt Sicherheit.
Einige Fragen vorher zu besprechen half uns, nichts Wesentliches zu vergessen.

Offenheit ist wichtiger als perfekte Antworten.
Wir mussten nicht in jeder Situation bereits wissen, wie wir einmal reagieren würden.

Auch die andere Seite entscheidet.
Matching funktioniert für uns nur dann, wenn beide Seiten wirklich wählen können.

Die Art, wie man miteinander spricht, ist selbst eine Antwort.
Nicht jede wichtige Information kommt aus einem Fragebogen.


Und nach dem Gespräch?

Danach mussten wir nicht sofort innerhalb des Videocalls eine Entscheidung treffen.

Beide Seiten konnten für sich überlegen, wie sich das Gespräch angefühlt hatte und ob wir uns vorstellen konnten, diesen Weg tatsächlich miteinander zu gehen.

Für uns führte genau dieses Kennenlernen schließlich zum nächsten entscheidenden Schritt:

dem gegenseitigen Ja.

Und damit begann eine ganz neue Phase.

Aus einem möglichen Match wurde unsere Tragemutter. Aus Gesprächen über Erwartungen wurden rechtliche Vereinbarungen. Und aus einer persönlichen Entscheidung wurde Schritt für Schritt ein konkreter gemeinsamer Prozess.

Wie wir uns entschieden haben und wie es danach mit dem Vertrag weiterging


Lieber hören?

In unserer Podcastfolge „Die richtige Tragemutter finden: Werte, Vertrauen und digitales Kennenlernen“ erzählen wir diese Phase ausführlicher und sprechen darüber, welche Kriterien uns beschäftigt haben und wie sich das erste Gespräch für uns tatsächlich angefühlt hat. Die Folge ist Teil unserer chronologischen ersten Staffel über unseren Weg zur Elternschaft.

Zur passenden Podcastfolge

Aus einem Videocall wurde der Anfang einer Beziehung

Vor dem Gespräch kannten wir Kriterien, medizinische Informationen und organisatorische Rahmenbedingungen.

Danach kannten wir einen Menschen ein Stück besser.

Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie die kommenden Monate aussehen würden oder ob jeder weitere Schritt funktionieren würde.

Aber wir konnten uns zum ersten Mal konkret vorstellen, mit dieser Frau diesen Weg zu gehen.

Und sie musste dieselbe Entscheidung über uns treffen.

Für uns war genau das der Moment, in dem Matching aufgehört hat, eine theoretische Suche zu sein.

Es wurde persönlich.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.