Deutschland & USA: unser deutsch-amerikanisches Familienleben in Deutschland
Robert ist in den USA aufgewachsen, Martin in Deutschland. Als wir 2012 zusammenkamen, lagen zwischen unseren Alltagen noch ein Ozean und sechs Stunden Zeitverschiebung. Drei Jahre lang führten wir eine Fernbeziehung zwischen New York und München, bevor Robert 2015 nach Deutschland zog.
Heute leben wir gemeinsam in München und sind Väter eines Sohnes. Deutschland ist unser Zuhause. Trotzdem sind die USA kein früheres Kapitel in Roberts Leben, das mit seinem Umzug abgeschlossen war. Amerikanische Familie, Sprache, Erinnerungen, Gewohnheiten und Erfahrungen gehören weiterhin zu uns und damit auch zu der Familie, die wir heute gemeinsam aufbauen.
Seit wir Eltern sind, merken wir sogar stärker, an wie vielen Stellen die eigene Herkunft im Alltag auftaucht. Manchmal geht es um Sprache oder Familienbesuche, manchmal um Vorstellungen davon, was selbstverständlich ist, und manchmal stellen wir erst mitten in einem Gespräch fest, dass wir eine Situation aus ziemlich unterschiedlichen Richtungen betrachten.
Genau darum geht es in diesem Bereich von Papaarade.
Unser Familienleben findet in Deutschland statt
Wir beschreiben uns manchmal als deutsch-amerikanische Familie oder als Familie mit Verbindungen in die USA und nach Deutschland. Das bedeutet aber nicht, dass wir dauerhaft zwischen zwei Wohnorten pendeln oder unser Leben gleichmäßig auf zwei Länder verteilen.
Unser Alltag findet in Deutschland statt. Hier arbeiten wir, hier organisieren wir Kinderbetreuung und Familienleben, hier leben unsere Routinen und hier wird unser Sohn groß.
Die amerikanische Seite unserer Familie verschwindet dadurch nicht. Sie zeigt sich nur anders als früher, als Martin in München und Robert in New York lebten. Heute geht es weniger darum, wann der nächste Flug geht. Uns beschäftigt eher, welche Teile beider Hintergründe wir selbstverständlich mitnehmen und was sich verändert, wenn daraus eine gemeinsame Familienkultur entsteht.
Wir erklären nicht jede unterschiedliche Meinung mit Deutschland oder den USA
Wenn zwei Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen, ist es ziemlich verführerisch, jede Meinungsverschiedenheit kulturell zu erklären.
Martin macht etwas so, weil er Deutscher ist. Robert sieht es anders, weil er Amerikaner ist.
Manchmal spielt Herkunft tatsächlich eine Rolle. Manchmal ist Martin einfach Martin und Robert einfach Robert.
Das auseinanderzuhalten ist für uns interessanter als eine Liste darüber, was Amerikaner angeblich anders machen als Deutsche. Wir sind schließlich nicht repräsentativ für zwei ganze Länder. Unsere Familien, unsere eigenen Erfahrungen und unsere Persönlichkeiten prägen uns genauso.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen wir merken, dass wir mit unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten aufgewachsen sind. Seit wir Eltern sind, fallen solche Unterschiede häufiger auf, weil wir plötzlich gemeinsam Entscheidungen darüber treffen, welche Dinge wir unserem eigenen Kind weitergeben möchten.
Elternwerden verändert den Blick auf das Land, in dem man lebt
Robert lebt schon seit 2015 in Deutschland. Lange bevor wir Väter wurden, kannte er den deutschen Alltag also bereits sehr gut.
Elternschaft öffnet trotzdem noch einmal eine andere Perspektive auf ein Land.
Plötzlich werden Dinge relevant, mit denen man sich vorher kaum beschäftigt hat. Elternzeit, Kinderbetreuung, Kinderärzte, Versicherungen, Behörden, Spielplätze, Familienangebote oder die Frage, wie der eigene Arbeitsalltag mit einem Kind zusammenpasst.
Für Martin sind manche dieser Strukturen vertraut, auch wenn er sie vor dem Vaterwerden selbst nie gebraucht hat. Robert betrachtet manches automatisch auch vor dem Hintergrund dessen, was er aus den USA kennt oder aus seiner amerikanischen Familie hört.
Wir möchten daraus keinen Wettbewerb machen, welches Land Familienleben „besser“ organisiert. Viel spannender ist für uns, wo wir Unterschiede tatsächlich erleben und was sie für unsere Entscheidungen bedeuten.
Deutsch und Englisch gehören beide zu unserer Familie
Sprache ist wahrscheinlich einer der sichtbarsten Teile einer deutsch-amerikanischen Familie.
Deutsch und Englisch gehören zu unserem gemeinsamen Leben schon seit Beginn unserer Beziehung. Mit einem Kind bekommt das Thema noch einmal eine andere Bedeutung. Sprache ist schließlich nicht nur ein praktisches Mittel zur Verständigung. Sie verbindet auch mit Menschen, Erinnerungen und einem Teil der eigenen Herkunft.
Wie sich Mehrsprachigkeit in unserer Familie langfristig entwickelt, möchten wir nicht als perfekt geplantes Sprachprojekt erzählen. Unser Sohn ist noch klein und wir erleben selbst erst, wie sich Sprache in unserem Familienalltag einfügt.
Was für uns feststeht: Die amerikanische Seite seiner Familie soll für ihn nicht nur etwas sein, das auf Fotos oder in Erzählungen existiert. Sprache kann eine Möglichkeit sein, eine echte Verbindung zu diesem Teil seiner Familie und Herkunft zu behalten.
Dabei erzählen wir weiterhin aus unserer Perspektive als Eltern. Welche Sprache unser Sohn irgendwann selbst bevorzugt und welche Bedeutung beide Teile seiner Herkunft für ihn bekommen, wird einmal seine eigene Geschichte sein.
Zugehörigkeit ist komplizierter als zwei Flaggen
Schon bevor wir Eltern wurden, war Zugehörigkeit immer wieder Thema in unserer Beziehung.
Robert hat einen großen Teil seines Lebens in den USA verbracht und lebt inzwischen seit vielen Jahren in Deutschland. Martin ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber durch unsere Beziehung, Roberts Familie und unsere gemeinsame Geschichte einen sehr persönlichen Bezug zu den USA bekommen.
Mit unserem Sohn kommt eine weitere Perspektive hinzu. Seine Familiengeschichte lässt sich nicht sinnvoll auf eine einzige nationale Schublade reduzieren.
Für uns bedeutet das nicht, jeden Feiertag doppelt feiern oder aus beiden Ländern bewusst dieselbe Anzahl an Traditionen übernehmen zu müssen. Vieles entsteht wahrscheinlich viel unspektakulärer. Bestimmte Gerichte gehören irgendwann einfach dazu. Familienmitglieder sprechen unterschiedliche Sprachen. Manche Feste werden wichtig, andere vielleicht nicht. Reisen schaffen Erinnerungen und manche Gewohnheit wird sich einschleichen, ohne dass wir vorher beschlossen haben, ob sie nun deutsch oder amerikanisch ist.
So entsteht vermutlich die Familienkultur, die uns am Ende wirklich interessiert.
Unsere Geschichte zwischen Deutschland und den USA begann lange vor dem Vatersein
Ohne die Verbindung zwischen Deutschland und den USA gäbe es unsere Familie in dieser Form nicht.
Wir lernten uns 2012 kennen, als Robert auf einer Reise durch Europa war. Danach folgten drei Jahre Fernbeziehung mit Besuchen, Abschieden und der dauernden Organisation zweier Leben auf verschiedenen Kontinenten. 2015 zog Robert schließlich nach Deutschland.
Diese Jahre erklären viel darüber, warum Reisen, Sprache und kulturelle Unterschiede für uns heute nicht wie ein zusätzliches „internationales Familienthema“ wirken. Sie gehörten schon zu unserer Beziehung, lange bevor wir über Kinder nachdachten.
Wenn du unsere Geschichte von Anfang an kennenlernen möchtest:
Unsere Liebesgeschichte: Von New York nach München und ein Leben voller Abenteuer
Und über die Jahre davor:
Unsere 3 Jahre Fernbeziehung: Liebe auf Distanz
Reisen in die USA fühlen sich mit Kind anders an
Die USA sind für uns nicht einfach ein Urlaubsziel. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass Reisen mit Kind deshalb unkomplizierter wäre.
Schon die ersten Wochen als Eltern verbrachten wir in Kalifornien, weil unser Sohn dort geboren wurde. Dadurch haben wir relativ früh erlebt, wie viel mehr Planung plötzlich hinter Dingen steckt, die wir früher selbstverständlich gemacht haben.
Was brauchen wir unterwegs wirklich? Was kaufen wir vor Ort? Wie viel kann man planen und was stellt sich erst mit Kind heraus? Solche Fragen sind ein anderer Teil unserer Deutschland-USA-Welt als kulturelle Identität oder Elternschaft, gehören aber trotzdem zu unserem tatsächlichen Leben.
Unsere ersten praktischen Erfahrungen haben wir hier gesammelt:
USA-Reise mit Baby: Was wir wirklich brauchten und was nicht
Der Beitrag entstand aus unserem Aufenthalt rund um die Geburt und hat deshalb einen sehr konkreten Kontext. Künftige Reisen werden wahrscheinlich wieder ganz andere Fragen aufwerfen.
Manche Unterschiede begegneten uns schon auf dem Weg zur Familie
Unsere Familiengründung führte uns nach Kalifornien. Dadurch mussten wir uns intensiv mit zwei Ländern und ihren sehr unterschiedlichen medizinischen, rechtlichen und administrativen Strukturen beschäftigen.
Diese Inhalte gehören bei Papaarade hauptsächlich in unseren Bereich zur Leihmutterschaft, weil sie dort am besten verstanden werden können. Trotzdem war diese Zeit für uns eine der ersten Situationen, in denen wir Deutschland und die USA gleichzeitig aus einer Elternperspektive betrachteten.
Ein Beispiel dafür ist unser älterer Vergleich:
Schwangerschaft in Deutschland vs. USA: Unterschiede und unsere Erfahrungen
Dort geht es vor allem um unseren Kinderwunsch und die Leihmutterschaft. Unser heutiger Familienalltag ist eine andere Geschichte.
Worüber wir hier künftig erzählen
Seit wir Eltern sind, gibt es immer mehr Situationen, in denen unsere beiden Hintergründe eine Rolle spielen. Nicht jede davon braucht sofort einen eigenen Ratgeber.
Uns interessieren vor allem die Fragen, die tatsächlich aus unserem Leben entstehen: Wie verändert Vatersein Roberts Beziehung zu Deutschland? Welche Vorstellungen von Elternschaft bringen wir aus unseren Familien mit? Wie halten wir die Verbindung zu amerikanischer Familie lebendig, wenn unser Alltag in München stattfindet? Welche Rolle spielen Deutsch und Englisch? Wie erleben wir Reisen mit Kind, und wann merken wir bei einer alltäglichen Entscheidung plötzlich, dass wir mit unterschiedlichen kulturellen Erwartungen aufgewachsen sind?
Über solche Situationen möchten wir hier schreiben, wenn sie tatsächlich passieren.
Denn genau darin liegt für uns der interessanteste Teil dieser Themenwelt. Deutschland und die USA sind keine zwei abstrakten Systeme, die wir von außen vergleichen. Es sind zwei Teile unserer gemeinsamen Familiengeschichte.
Wenn du uns erst kennenlernen möchtest
Viele Themen auf Papaarade lassen sich besser verstehen, wenn man weiß, wer Martin und Robert überhaupt sind und wie aus einer Begegnung im Jahr 2012 irgendwann eine Familie in München wurde.
Auf unserer Über-uns-Seite erzählen wir unsere Geschichte vom Kennenlernen über die Fernbeziehung und Roberts Umzug nach Deutschland bis zu unserem Weg zur Elternschaft und unserem heutigen Familienleben.
Mehr über Martin, Robert und Papaarade
Und manche Unterschiede lassen sich in einem Gespräch besser erzählen als in einem Artikel. Im Papaarade Podcast sprechen wir ausführlicher über Entscheidungen, Erfahrungen und Veränderungen, die sich nicht immer sauber in „Deutschland“ und „USA“ sortieren lassen.