Wie läuft eine Geburt nach einer Leihmutterschaft in den USA eigentlich ab? Bei uns war sie nicht nur der Moment, in dem unser Sohn zur Welt kam. Sie war gleichzeitig der Übergang zwischen zwei sehr unterschiedlichen Phasen unseres Lebens.
Bis dahin hatten wir über Jahre geplant, Embryonen erstellt, eine Tragemutter gefunden, Verträge geschlossen und die Schwangerschaft begleitet. Dann standen wir plötzlich in einem Krankenhaus in Kalifornien und wussten: Jetzt werden wir tatsächlich Väter.
Bei einer Geburt nach Leihmutterschaft treffen mehrere Ebenen aufeinander. Die Tragemutter ist die gebärende Patientin und entscheidet über ihre medizinische Versorgung. Gleichzeitig müssen Krankenhaus, Wunscheltern und gegebenenfalls die rechtlichen Beteiligten auf die besondere Familienkonstellation vorbereitet sein. Und unmittelbar nach der Geburt beginnt für internationale Familien oft schon die nächste Phase mit Geburtsurkunde, Pässen und weiteren Dokumenten.
Wie das im Einzelnen aussieht, hängt vom Bundesstaat, dem Krankenhaus und der individuellen Situation ab. Hier erzählen wir deshalb vor allem, wie wir diese Zeit selbst erlebt haben.
Inhaltlich und medizinisch geprüft: 16. August 2026
Von: Martin & Robert · Papaarade
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt unsere persönliche Erfahrung in Kalifornien. Medizinische Entscheidungen lagen bei unserer Tragemutter und ihrem Behandlungsteam. Medizinische, rechtliche und organisatorische Abläufe können in anderen Situationen anders aussehen.
Ankommen in Kalifornien und warten
Ende Dezember flogen wir nach Los Angeles, ungefähr zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Wir wollten bewusst früh genug dort sein und nicht irgendwann auf einem anderen Kontinent sitzen, während die Geburt schon begonnen hatte.
Unsere ersten vier Nächte verbrachten wir in einem Motel in der Nähe des Flughafens. Wir versuchten, diese Tage noch ein wenig wie Urlaub zu behandeln und waren unter anderem in Disneyland, Beverly Hills, Downtown Los Angeles, bei Warner Bros., in Venice Beach und Santa Monica. So richtig abschalten konnten wir allerdings nicht. Jeder Anruf und jede Nachricht konnte bedeuten, dass es jetzt losging.
Danach zogen wir in unser Airbnb in der Gegend unserer Tragemutter. Von dort wollten wir nicht mehr weit weg. Das Krankenhaus, in dem die Geburt geplant war, lag nur wenige Minuten entfernt.
Wir hatten monatelang auf den errechneten Termin hingearbeitet. Als er schließlich da war, passierte erst einmal nichts. Unsere Tragemutter bemerkte zwar körperliche Anzeichen dafür, dass sich die Geburt näherte, aber der entscheidende Moment ließ weiter auf sich warten.
Morgens wachten wir auf und fragten uns, ob heute vielleicht der Tag sein würde. Abends gingen wir wieder ins Bett und wussten, dass ein weiterer Tag vergangen war. Dazwischen richteten wir das Airbnb ein, packten Babyprodukte aus, bereiteten Flaschen und Kleidung vor und versuchten, uns irgendwie nützlich zu machen. Diese Dinge gaben uns ein bisschen Struktur, obwohl wir auf das Wesentliche keinen Einfluss hatten.
Nachdem der errechnete Termin überschritten war, wurde schließlich eine Einleitung in der 41. Schwangerschaftswoche geplant. Dabei ist uns heute wichtig, die Rollen sauber zu beschreiben: Unsere Tragemutter war die Patientin. Entscheidungen über die Einleitung und andere medizinische Maßnahmen lagen bei ihr in Abstimmung mit ihrem Behandlungsteam. Wir waren in Gespräche und Planungen einbezogen, entschieden aber nicht über ihren Körper.
Die American Society for Reproductive Medicine hält entsprechend fest, dass eine gestationelle Tragemutter während Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge selbst über ihre medizinische Versorgung entscheidet. Darauf gehen wir bei den Quellen am Ende des Artikels noch einmal ein.
Für uns bedeutete die geplante Einleitung vor allem, dass wir nach den langen Tagen des Wartens wieder einen Zeitpunkt hatten, auf den wir uns einstellen konnten.
Dann wurde sogar das Krankenhaus plötzlich unsicher
Rund um den Jahreswechsel kam noch eine organisatorische Unsicherheit hinzu. Durch Veränderungen bei Versicherungsnetzwerken war zeitweise nicht klar, ob die Geburt tatsächlich im ursprünglich vorgesehenen Krankenhaus stattfinden konnte.
Das war belastend. Wir merkten in dieser Situation noch einmal, wie viele Systeme bei einer Leihmutterschaft gleichzeitig ineinandergreifen: medizinische Versorgung, Versicherung, Agentur und Krankenhaus. Und wir wollten eigentlich nur wissen, wo unser Sohn zur Welt kommen würde.
Am Ende kam die Bestätigung, dass unsere Tragemutter im gewünschten Krankenhaus entbinden konnte. Es lag etwa fünf Minuten von unserem Airbnb entfernt, was in diesem Moment eine enorme Erleichterung war.
Seitdem würden wir bei einem vergleichbaren internationalen Aufenthalt nicht nur wissen wollen, welches Krankenhaus vorgesehen ist, sondern auch vorher klären, welche Alternative es gibt und wen wir im Zweifel anrufen können.
Was bei unserer Geburt nach Leihmutterschaft anders war
Für uns lag die Besonderheit weniger in der Geburt selbst als in den Rollen rundherum. Unsere Tragemutter war die gebärende Patientin. Wir waren die werdenden Väter. Unser rechtlicher Elternschaftsprozess in Kalifornien war bereits vor der Geburt vorbereitet, und das Krankenhaus musste wissen, wie unsere Konstellation organisatorisch gehandhabt werden sollte.
Deshalb hatten wir vorher gemeinsam besprochen, wie wir uns die Situation im Krankenhaus vorstellten. Es ging beispielsweise darum, ob wir während der Geburt im Raum sein würden, wer die Nabelschnur durchtrennen möchte, wie der erste Kontakt mit unserem Sohn aussehen sollte, wie wir uns Hautkontakt und Rooming vorstellten und wie wir während der Geburt miteinander kommunizieren wollten.
Diese Absprachen wurden dem Krankenhaus vorab mitgeteilt. Das hat uns sehr geholfen, weil wir in einem ohnehin emotionalen Moment nicht erst erklären mussten, wer wir waren und welche Rolle wir hatten.
Ein Geburtsplan bedeutete für uns allerdings nicht, medizinische Entscheidungen für unsere Tragemutter vorwegzunehmen. Wünsche und mögliche Abläufe lassen sich besprechen. Die medizinische Versorgung der gebärenden Person bleibt ihre Entscheidung gemeinsam mit dem behandelnden Team.
Die Geburt
Unsere Tragemutter wurde am frühen Abend im Krankenhaus aufgenommen und wir kamen etwas später dazu. Nach all den Monaten, in denen so vieles über Nachrichten, Telefonate, Arzttermine und Entfernung stattgefunden hatte, waren wir plötzlich alle im selben Raum.
Die Atmosphäre war erstaunlich ruhig. Wir unterhielten uns, warteten und versuchten zu begreifen, dass dies wahrscheinlich der letzte Abend unseres Lebens sein würde, an dem wir noch keine Väter waren.
Dann ging es plötzlich schnell.
Nach dem Öffnen der Fruchtblase wurden die Wehen sehr intensiv. Eine geplante PDA kam zeitlich nicht mehr zustande, weil die Geburt anschließend sehr schnell voranging. Das lange Warten der Tage davor war auf einmal vorbei.
Unser Sohn wurde kurz nach Mitternacht geboren.
Die Nabelschnur wurde nicht unmittelbar nach der Geburt abgeklemmt. Das entspricht auch der Empfehlung des American College of Obstetricians and Gynecologists, bei vitalen Termin- und Frühgeborenen nach Möglichkeit mindestens 30 bis 60 Sekunden zu warten. Danach durfte einer von uns die Nabelschnur durchtrennen.
Im Raum liefen in diesen ersten Minuten zwei Dinge gleichzeitig. Das medizinische Team kümmerte sich um unsere Tragemutter, während unser Sohn als Neugeborenes versorgt und untersucht wurde.
Für uns wurde darin die Rollenverteilung dieser Geburt auf eine sehr konkrete Weise sichtbar: Sie hatte gerade geboren und wir waren gerade Eltern geworden.
Nach der ersten Versorgung verbrachten wir ungefähr 90 Minuten mit unserem Sohn im Hautkontakt. Für uns war diese Zeit sehr besonders, nicht weil wir daraus eine allgemeine Regel für Familien nach Leihmutterschaft ableiten wollen, sondern weil wir ihn zum ersten Mal einfach halten konnten.
Monatelang hatten wir Ultraschallbilder gesehen, über ihn gesprochen und auf ihn gewartet. Jetzt hörten wir seine Geräusche, spürten sein Gewicht und mussten uns seine Existenz nicht mehr vorstellen.
Unsere ersten Stunden und Nächte als Väter
Nach der Geburt hatten wir ein eigenes Zimmer mit unserem Sohn. Unsere Tragemutter war zunächst im Zimmer nebenan und konnte bereits am folgenden Tag nach Hause.
Auch dieser Übergang war emotional. Für uns begann etwas vollkommen Neues, während für sie eine Schwangerschaft endete, die unser Leben verändert hatte. Wir verbrachten noch bewusst Zeit miteinander, gleichzeitig merkten wir, dass sich unsere Beziehung bereits veränderte. Während vorher zwangsläufig Schwangerschaft, Gesundheit und Geburt im Mittelpunkt gestanden hatten, musste danach etwas Neues entstehen.
Wie wir unsere Beziehung zur Tragemutter nach der Geburt gestaltet haben
Wir selbst blieben insgesamt zwei Nächte mit unserem Sohn im Krankenhaus. Diese Zeit war eine Mischung aus Staunen, sehr wenig Schlaf und dem Gefühl, gleichzeitig unglaublich viel und überhaupt nichts zu wissen. Es gab Untersuchungen, Visiten und Kontrollen, während wir fütterten, wickelten und langsam verstanden, dass sich ab jetzt alles um einen anderen Tagesrhythmus drehen würde.
Unsere zwei Nächte waren dabei unser individueller Krankenhausaufenthalt und keine allgemeine kalifornische Mindestvorgabe. In Kalifornien wird die Blutprobe für das staatliche Newborn Screening regulär zwischen 12 und 48 Stunden nach der Geburt entnommen. Wird ein Kind schon vorher entlassen und die Probe vor der zwölften Lebensstunde genommen, ist eine zweite Blutprobe erforderlich.
Der Moment, in dem wir das Krankenhaus verließen
Im Krankenhaus ist immer jemand in der Nähe, den man fragen kann. Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal kommen ins Zimmer, überprüfen Dinge und helfen weiter.
Dann kam die Entlassung.
Wir nahmen unseren Sohn, setzten ihn in seinen Autositz und gingen mit ihm durch die Türen des Krankenhauses. Draußen gab es plötzlich niemanden mehr, der die Verantwortung irgendwann wieder übernehmen würde.
Diese wenigen Minuten sind uns fast genauso stark im Gedächtnis geblieben wie die Geburt selbst. Bei der Geburt waren wir Väter geworden. Beim Verlassen des Krankenhauses mussten wir anfangen herauszufinden, wie wir als Eltern funktionieren würden.
Wie sich die ersten Stunden und Tage danach zwischen Airbnb, Schlafmangel und neuer Verantwortung angefühlt haben, erzählen wir hier:
Erste Tage mit Neugeborenem: Zwischen Krankenhaus und Verantwortung
Was nach der Geburt organisatorisch begann
Parallel zu unserem neuen Alltag begann schon die nächste Phase unseres Leihmutterschaftsprozesses. Jetzt ging es um Geburtsurkunde, Pre-Birth-Order, Apostillen, Pässe, das deutsche Konsulat und schließlich unsere Rückreise nach Deutschland.
Gerade bei internationalen Familien kann diese Bürokratie einen erheblichen Teil der ersten Wochen nach der Geburt bestimmen. Weil wir die einzelnen Schritte inzwischen ausführlich dokumentiert haben, wiederholen wir sie hier nicht noch einmal.
Leihmutterschaft USA: Dokumente, Pässe & Bürokratie nach der Geburt
Auch die Kosten rund um Leihmutterschaft, medizinische Versorgung und unseren gesamten Prozess haben einen eigenen Guide:
Was kostet eine Leihmutterschaft in den USA?
Wer noch am Anfang des Themas steht, findet den gesamten Weg von Familienplanung über Matching und Vertrag bis Anerkennung hier:
Leihmutterschaft in den USA: Ablauf & Anerkennung in Deutschland
Häufige Fragen zur Geburt bei Leihmutterschaft in den USA
Können Intended Parents bei der Geburt dabei sein?
Das lässt sich nicht pauschal für jedes Krankenhaus und jede Situation beantworten. Bei uns war vorher mit unserer Tragemutter und dem Krankenhaus abgestimmt, dass wir bei der Geburt dabei sein konnten.
Ob das möglich ist, hängt unter anderem von der Zustimmung der gebärenden Person, der medizinischen Situation und den Abläufen des jeweiligen Krankenhauses ab.
Wer entscheidet bei medizinischen Fragen während der Geburt?
Die Tragemutter entscheidet über ihre eigene medizinische Versorgung. Sie bleibt die Patientin und erteilt die Einwilligung in medizinische Maßnahmen während Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge.
Intended Parents können mögliche Situationen vorher besprechen und die Wünsche der Tragemutter kennen. Dadurch geht ihre medizinische Entscheidungsgewalt aber nicht auf sie über.
Braucht man bei Leihmutterschaft einen Geburtsplan?
Ein Geburtsplan war für uns sehr hilfreich, weil organisatorische Wünsche und Rollen schon vorher besprochen waren. Bei uns ging es unter anderem um Anwesenheit, den ersten Kontakt mit unserem Sohn, die Nabelschnur, Rooming und die Kommunikation mit dem Krankenhaus.
Ein Geburtsplan garantiert allerdings nicht, dass eine Geburt genauso abläuft wie vorgesehen.
Wie lange muss ein Neugeborenes in Kalifornien im Krankenhaus bleiben?
Eine allgemeine Regel von mindestens 24 Stunden lässt sich aus dem kalifornischen Newborn Screening nicht ableiten.
Die Blutprobe für das staatliche Screening wird regulär zwischen 12 und 48 Stunden nach der Geburt entnommen. Erfolgt die Entlassung und Probennahme vor der zwölften Lebensstunde, ist eine zweite Probe erforderlich. Wir selbst blieben zwei Nächte mit unserem Sohn im Krankenhaus.
Ist verzögertes Abnabeln in den USA üblich?
Das American College of Obstetricians and Gynecologists empfiehlt bei den meisten vitalen Termin- und Frühgeborenen ein verzögertes Abklemmen der Nabelschnur von mindestens 30 bis 60 Sekunden. Ob das in der konkreten Situation möglich und sinnvoll ist, beurteilt das medizinische Team.
Bei unserem Sohn wurde ebenfalls kurz gewartet, bevor die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt wurde.
Was passiert nach einer Geburt durch Leihmutterschaft mit den Dokumenten?
Das hängt stark vom Bundesstaat, den Staatsangehörigkeiten und der rechtlichen Konstellation ab. In unserem Fall begann nach der Geburt ein mehrwöchiger Prozess aus Geburtsurkunde, Pre-Birth-Order, Apostillen und US-amerikanischen sowie deutschen Reisedokumenten.
Unsere komplette Erfahrung mit Dokumenten und Bürokratie nach der Geburt
Quellen und Prüfstand
Für die allgemeinen medizinischen und ethischen Aussagen dieser Seite haben wir insbesondere folgende Fach- und Primärquellen geprüft:
- American Society for Reproductive Medicine: Consideration of the gestational carrier (2023) zur medizinischen Autonomie einer Tragemutter während Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge.
- California Department of Public Health: Newborn Screening Program zum kalifornischen Newborn Screening und dem regulären Zeitfenster der Blutentnahme zwischen 12 und 48 Stunden nach der Geburt.
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Delayed Umbilical Cord Clamping After Birth zur Empfehlung des verzögerten Abnabelns bei vitalen Termin- und Frühgeborenen.
Medizinischer und inhaltlicher Prüfstand: 16. August 2026.
Hinweis: Wir teilen unsere eigene Erfahrung und recherchierte Informationen. Der Artikel ersetzt keine medizinische, rechtliche oder versicherungsbezogene Beratung.
Die Geburt war nur der Anfang
Lange hatten wir die Geburt als den Moment gesehen, auf den unser gesamter Kinderwunschweg hinauslief. Im Krankenhaus wurde uns langsam klar, dass sie genauso sehr ein Anfang war. Der Prozess, den wir über Jahre geplant und organisiert hatten, rückte plötzlich in den Hintergrund. Jetzt ging es nicht mehr darum, Eltern zu werden, sondern unseren Alltag als Eltern zu beginnen.
Richtig gespürt haben wir das, als wir unseren Sohn in den Autositz setzten und mit ihm das Krankenhaus verließen.
Was danach kam, war deutlich weniger planbar als alles davor.
Wie sich unsere ersten Tage zwischen Krankenhaus, Airbnb und neuer Verantwortung angefühlt haben
Unsere Podcast-Folge zur Geburt
Über diese Phase haben wir auch ausführlich im Papaarade-Podcast gesprochen. Dort erzählen wir noch einmal mündlich, wie wir das Warten, die Geburt im Krankenhaus und den Übergang vom Kinderwunsch zum Vatersein erlebt haben.