Wie viele Regenbogenfamilien leben eigentlich in Deutschland?
Je nachdem, wo man sucht, stößt man auf unterschiedliche Zahlen. Mal geht es um gleichgeschlechtliche Paare mit minderjährigen Kindern, mal werden auch erwachsene Kinder berücksichtigt. Und der Begriff „Regenbogenfamilie“ umfasst im normalen Sprachgebrauch ohnehin mehr Familienformen, als eine einzelne amtliche Statistik erfassen kann.
Deshalb ist für uns weniger interessant, die größtmögliche Zahl zu nennen. Wir möchten verstehen, was das Statistische Bundesamt tatsächlich zählt und was sich aus diesen Daten sagen lässt.
Wir sind selbst zwei Väter. Diese Statistiken beschreiben also auch Familien wie unsere. Unsere persönliche Erfahrung hilft allerdings nicht dabei, abzuschätzen, wie viele Regenbogenfamilien in Deutschland leben. Dafür brauchen wir Daten.
Datenstand: 18. August 2026
Wie viele Regenbogenfamilien gibt es in Deutschland?
Die aktuellsten Erstergebnisse des Mikrozensus beziehen sich auf das Jahr 2025.
Destatis weist darin 5,769 Millionen Ehepaare mit minderjährigen Kindern aus, darunter 5,746 Millionen gemischtgeschlechtliche Ehepaare. Bei den Lebensgemeinschaften sind es 981.000 mit minderjährigen Kindern, darunter 973.000 gemischtgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.
Aus der Differenz ergibt sich rechnerisch eine Größenordnung von rund 31.000 gleichgeschlechtlichen Paaren mit minderjährigen Kindern.
Wichtig ist dabei das Wort Größenordnung. Die veröffentlichten Werte sind auf Tausender gerundet. Die 31.000 für 2025 sind deshalb keine separat von Destatis ausgewiesene exakte Zahl, sondern ergeben sich aus den veröffentlichten Erstergebnissen.
Für 2024 gibt es dagegen eine ausdrückliche Destatis-Auswertung zu Regenbogenfamilien. Auch dort nennt das Statistische Bundesamt 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit minderjährigen Kindern. In diesen Familien lebten rund 50.000 Kinder.
Gemessen an allen Paarfamilien mit minderjährigen Kindern war damit ungefähr jede 200. Paarfamilie eine Regenbogenfamilie im Sinne dieser Statistik.
Was zählt Destatis dabei als Regenbogenfamilie?
Das ist wichtig, wenn man mit diesen Zahlen arbeitet.
Destatis betrachtet in seiner Veröffentlichung gleichgeschlechtliche Paare, die mit mindestens einem minderjährigen Kind in einem privaten Hauptwohnsitzhaushalt zusammenleben. Das Paar kann verheiratet sein oder in einer unverheirateten Lebensgemeinschaft leben.
Zum statistischen Familienbegriff gehören dabei nicht nur leibliche Kinder. Auch Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder können berücksichtigt werden.
Damit beschreibt die Zahl von 31.000 eine ziemlich klar abgegrenzte Gruppe.
Nicht vollständig erfasst werden dadurch beispielsweise queere Eltern, die ohne Partner oder Partnerin mit ihrem Kind zusammenleben. Auch Eltern-Kind-Beziehungen über getrennte Haushalte hinweg lassen sich mit diesem Lebensformenkonzept nicht vollständig abbilden.
Deshalb würden wir aus den Daten nicht den Satz machen: „In Deutschland gibt es exakt 31.000 Regenbogenfamilien.“
Die Statistik sagt etwas Präziseres über eine bestimmte Form des gemeinsamen Haushalts.
Wie viele Kinder leben in diesen Familien?
Für 2024 nennt Destatis rund 50.000 Kinder in gleichgeschlechtlichen Paarfamilien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt.
Daneben veröffentlicht das Statistische Bundesamt eine weiter gefasste Betrachtung. Werden auch gleichgeschlechtliche Paare berücksichtigt, die mit erwachsenen Kindern zusammenleben, kommt Destatis für 2024 auf rund 38.000 Paarfamilien mit insgesamt 62.000 minderjährigen oder erwachsenen Kindern.
Der Unterschied liegt also in der Abgrenzung.
Für die Frage nach Paaren, die mit minderjährigen Kindern zusammenleben, sind die 31.000 Familien und rund 50.000 Kinder die relevanten Werte. Werden erwachsene Kinder im gemeinsamen Haushalt einbezogen, wird die Gruppe entsprechend größer.
Gerade deshalb schauen wir bei Familienstatistiken inzwischen immer zuerst darauf, was genau gezählt wurde.
Gibt es mehr Zwei-Mütter- oder Zwei-Väter-Familien?
In der detaillierten Destatis-Auswertung für 2024 bestanden gut 70 Prozent der erfassten gleichgeschlechtlichen Elternpaare aus zwei Frauen. Das waren rund 22.000 Frauenpaare.
Knapp 30 Prozent, rund 9.000 Paare, bestanden aus zwei Männern.
Familien mit zwei Müttern sind in dieser Statistik damit deutlich häufiger vertreten als Familien mit zwei Vätern.
Als zwei Väter gehören wir innerhalb der erfassten Regenbogenfamilien also zur kleineren Gruppe.
Warum sich die Zahlen so verteilen, lässt sich aus dem Mikrozensus nicht ablesen. Er beschreibt Haushalte und Lebensformen. Auf welchem Weg diese Familien entstanden sind, wird dadurch nicht erklärt.
Kann man daraus ablesen, wie stark Regenbogenfamilien zugenommen haben?
Hier wird es methodisch schwieriger.
Ein Vergleich mit älteren Jahreszahlen wirkt zunächst einfach. Der Mikrozensus wurde ab 2020 allerdings grundlegend neugestaltet. Destatis weist darauf hin, dass es danach zeitweise Probleme bei der validen Abgrenzung gleichgeschlechtlicher Paare gab.
Für 2023 wurde ihre Zahl deshalb gar nicht ausgewiesen. Seit dem Erhebungsjahr 2024 besteht diese Einschränkung laut Destatis nicht mehr.
Hinzu kommen weitere methodische Veränderungen und die neue Hochrechnung auf Grundlage des Zensus 2022.
Wir würden ältere und aktuelle Werte deshalb nicht einfach nebeneinanderstellen und daraus beispielsweise eine Verdopplung oder Verdreifachung ableiten.
Es kann reale Veränderungen gegeben haben. Wie groß sie genau waren, lässt sich aber nur beurteilen, wenn gleichzeitig berücksichtigt wird, wie die jeweiligen Daten erhoben wurden.
Was der Mikrozensus nicht beantworten kann
Der Mikrozensus ist eine große amtliche Haushaltsbefragung. Jedes Jahr wird ungefähr ein Prozent der Bevölkerung Deutschlands befragt und die Ergebnisse werden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.
Damit kann man unter anderem untersuchen, wie viele gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern in einem Haushalt leben.
Ob ein Kind sich wohlfühlt, wie Eltern ihre Beziehungen gestalten oder wie sich Diskriminierung auf eine Familie auswirkt, lässt sich aus solchen Haushaltszahlen dagegen nicht herauslesen.
Dafür gibt es andere Forschung.
Das Deutsche Jugendinstitut hat beispielsweise im Zusammenhang mit dem Neunten Familienbericht eine Expertise zur Lebenssituation homo- und bisexueller Eltern und ihrer Kinder in Deutschland erstellt. Darüber hinaus gibt es ein breiteres Forschungsfeld zu Kindesentwicklung, Eltern-Kind-Beziehungen und Regenbogenfamilien.
Diese Forschung behandeln wir ausführlicher in Wie Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen: Was die Wissenschaft dazu sagt.
Was die Zahlen für uns persönlich bedeuten
Seit wir Väter sind, lesen wir solche Statistiken natürlich anders als früher.
Die Zahl 31.000 sagt nichts darüber, wie unser Alltag aussieht. Sie weiß nicht, wie wir Aufgaben verteilen, wie unser Sohn entstanden ist oder welche Erfahrungen andere Zwei-Väter-Familien machen.
Trotzdem ist es ein eigenartiges Gefühl, die eigene Familienform in einer amtlichen Statistik wiederzufinden.
Wir gehören zu diesen ungefähr 9.000 erfassten Männerpaaren mit minderjährigen Kindern.
Mehr lässt sich über uns aus dieser Zahl eigentlich nicht sagen.
Und genau diese Grenze finden wir wichtig. Für gesellschaftliche Fragen brauchen wir Daten und Forschung. Wenn wir über unseren eigenen Familienalltag sprechen, erzählen wir dagegen von einer einzigen Familie.
Beides kann interessant sein, nur auf unterschiedliche Weise.
Warum Sichtbarkeit in Zahlen trotzdem etwas verändert
Regenbogenfamilien machen nur einen kleinen Teil aller Familien in Deutschland aus.
Das ändert nichts daran, dass diese Familien längst zum normalen gesellschaftlichen Alltag gehören. Kinder aus Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern gehen in die Kita und zur Schule, Eltern sitzen beim Kinderarzt oder auf Elternabenden und Familien leben in Großstädten genauso wie in kleineren Orten.
Dafür brauchen wir keine möglichst beeindruckende Zahl.
Uns ist eine kleinere, sauber erklärte Zahl lieber als eine größere, bei der unklar bleibt, wen sie eigentlich beschreibt.
Häufige Fragen zu Regenbogenfamilien in Deutschland
Wie viele Regenbogenfamilien gibt es aktuell in Deutschland?
Aus den Mikrozensus-Erstergebnissen für 2025 ergibt sich rechnerisch eine Größenordnung von rund 31.000 gleichgeschlechtlichen Paaren mit minderjährigen Kindern. Für 2024 hat Destatis ausdrücklich ebenfalls rund 31.000 solcher Paarfamilien ausgewiesen.
Wie viele Kinder leben in Regenbogenfamilien?
Für 2024 nennt Destatis rund 50.000 Kinder in gleichgeschlechtlichen Paarfamilien mit mindestens einem minderjährigen Kind. Bei der erweiterten Betrachtung, in der auch Familien mit erwachsenen Kindern berücksichtigt werden, waren es rund 62.000 Kinder.
Gibt es mehr Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern?
2024 bestanden gut 70 Prozent der erfassten gleichgeschlechtlichen Elternpaare aus zwei Frauen und knapp 30 Prozent aus zwei Männern. Das entsprach ungefähr 22.000 Frauenpaaren und 9.000 Männerpaaren mit minderjährigen Kindern.
Erfasst Destatis alle queeren Familien?
Nein. Die hier verwendeten Zahlen beziehen sich auf bestimmte Haushalts- und Paarkonstellationen. Andere queere Familienformen werden dadurch nicht vollständig erfasst.
Was weiß man darüber, wie Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen?
Das lässt sich aus dem Mikrozensus nicht beantworten. Dafür gibt es Studien zur Kindesentwicklung und zu Familienbeziehungen. Unsere ausführliche Einordnung findest du in Wie Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen: Was die Wissenschaft dazu sagt.
Wenn du bei Papaarade weitergehen möchtest
Für die Forschung zur Entwicklung von Kindern in Regenbogenfamilien ist Wie Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen die passende Vertiefung.
Die konkrete Frage, ob ein Kind für eine gesunde Entwicklung zwingend eine Mutter braucht, behandeln wir separat in Braucht ein Kind eine Mutter? Was die Wissenschaft wirklich sagt.
Und unter Regenbogenfamilie, Recht & Sichtbarkeit findest du die größere Themenwelt zu Forschung, gesellschaftlicher Wahrnehmung, Familienformen und Sichtbarkeit.
Quellen und Datenstand
Für die statistischen Angaben und die methodische Einordnung verwenden wir vor allem Daten des Statistischen Bundesamts. Die aktuellsten veröffentlichten Erstergebnisse beziehen sich auf den Mikrozensus 2025. Für die detaillierte Aufschlüsselung der Regenbogenfamilien nutzen wir zusätzlich die ausdrückliche Destatis-Auswertung für 2024.
- Statistisches Bundesamt: Familien und Familienmitglieder mit minderjährigen Kindern nach Lebensform, Mikrozensus 2025
Aktuelle Erstergebnisse zu Ehepaaren, Lebensgemeinschaften und Familien mit minderjährigen Kindern. - Statistisches Bundesamt: Regenbogenfamilien, 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern im Jahr 2024
Detaillierte Angaben zu gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern und zur Verteilung auf Frauen- und Männerpaare. - Statistisches Bundesamt: Gleichgeschlechtliche Paare im Zeitvergleich
Relevant insbesondere wegen der Hinweise zur eingeschränkten Vergleichbarkeit einzelner Jahre. - Statistisches Bundesamt: Der Mikrozensus seit 2020
Methodische Hintergründe zur Neugestaltung des Mikrozensus. - Statistisches Bundesamt: Familien nach Lebensform und Kinderzahl, Mikrozensus 2025
Ergänzende Übersicht über Familienformen in Deutschland.
Für die weitergehende wissenschaftliche Einordnung verwenden wir außerdem die Expertise des Deutschen Jugendinstituts: Regenbogenfamilien in Deutschland. Ein Überblick über die Lebenssituation von homo- und bisexuellen Eltern und deren Kindern im Umfeld des Neunten Familienberichts.
Daten- und Quellenstand: 18. August 2026
Hinweis zur Statistik: Der Begriff „Regenbogenfamilie“ wird nicht überall gleich definiert. Die hier verwendeten Destatis-Zahlen beziehen sich insbesondere auf gleichgeschlechtliche Paare und Kinder, die im selben Hauptwohnsitzhaushalt leben. Bei Vergleichen zwischen verschiedenen Jahren müssen zudem Veränderungen der Erhebungsmethodik berücksichtigt werden.
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