Unsere ersten drei Monate als Väter waren wir beide zuhause.
Die ersten Wochen davon verbrachten wir nach der Geburt noch in Kalifornien. Viel von dem, was wir heute ganz selbstverständlich machen, mussten wir damals gleichzeitig lernen: unseren Sohn versorgen, Nächte irgendwie organisieren, Dokumente erledigen, Termine im Blick behalten und herausfinden, wie unser neuer Alltag überhaupt funktionieren sollte.
Für uns war es im Nachhinein enorm wichtig, dass wir das beide gleichzeitig erlebt haben.
Keiner kam abends aus der Arbeit in einen Familienalltag zurück, den der andere schon beherrschte. Keiner musste sich erklären lassen, welche Routine gerade funktioniert oder wo etwas liegt. Wir hatten beide keine Ahnung und mussten unsere eigene Art finden, Vater zu sein.
Später änderte sich das. Robert ging wieder arbeiten, Martin blieb länger zuhause. Plötzlich hatten wir dieselbe Elternverantwortung, aber sehr unterschiedliche Tage.
Gerade dieser Wechsel hat unseren Blick auf Elternzeit wahrscheinlich stärker geprägt als die drei gemeinsamen Monate allein.
Elternzeit und Elterngeld sind nicht dasselbe
Das ist bei der Planung eine wichtige Unterscheidung.
Elternzeit ist ein arbeitsrechtlicher Anspruch, durch den Eltern ihre Erwerbsarbeit für einen Zeitraum unterbrechen oder reduzieren können. Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil des wegfallenden Einkommens ersetzen kann.
Wer Elternzeit nimmt, erhält also nicht automatisch für denselben Zeitraum Elterngeld. Für beides gelten eigene Voraussetzungen und Fristen.
Auch Väter können Elternzeit nehmen. Sie ist keine Zeit, die ihnen von einer Mutter übertragen werden müsste.
Weil sich konkrete Regeln zu Anmeldung, Teilzeit und Elterngeld nach der individuellen Situation richten können, würden wir für die Planung immer direkt die aktuellen Informationen des Familienportals des Bundes und gegebenenfalls den eigenen Arbeitgeber heranziehen.
Auch bei Statistiken sollte man genau hinsehen. Häufig wird angegeben, wie viele Väter Elterngeld beziehen. Das ist nicht automatisch identisch mit der Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen. Deshalb verzichten wir hier bewusst darauf, aus einer Elterngeldquote eine allgemeine „Elternzeitquote der Väter“ zu machen.
Was Familien- und Väterberichte trotzdem recht deutlich zeigen: Viele Väter wünschen sich mehr Beteiligung an Betreuung und Familienalltag, als sie später tatsächlich leben können.
Drei Monate, in denen wir beide erst einmal Vater werden mussten
Unsere gemeinsame Elternzeit hatte nach der Geburt durch Tragemutterschaft in den USA auch ganz praktische Gründe.
Wir waren weit weg von unserem normalen Zuhause und hatten neben einem Neugeborenen eine Menge organisatorischer Dinge zu erledigen. Aber für unsere Rollen als Väter war etwas anderes wahrscheinlich wichtiger.
Wir waren beide wirklich zuständig.
Flaschen, Schlaf, Einkaufen, Wäsche, Termine, Unsicherheit und die vielen kleinen Entscheidungen dazwischen gehörten keinem von uns mehr als dem anderen.
Natürlich machten wir trotzdem nicht alles gleich. Schon damals hatten wir unterschiedliche Arten, Dinge zu organisieren und auf Situationen zu reagieren.
Aber keiner konnte sich dauerhaft darauf verlassen, dass der andere schon wusste, was zu tun war.
Genau darin lag für uns ein großer Wert dieser Zeit. Wir lernten beide unseren Sohn kennen und entwickelten jeweils eine eigene Beziehung zu ihm, anstatt dass einer zunächst zum Experten für den Familienalltag wurde und der andere später dazukam.
Elternzeit hat bei uns viel mit Verantwortung verändert
Bei Vätern wird Familienarbeit manchmal noch mit Worten wie „mithelfen“ oder „unterstützen“ beschrieben.
Für unsere ersten Monate passt das überhaupt nicht.
Wenn Robert nachts zuständig war, half er Martin nicht mit dessen Kind. Wenn Martin eine Schicht übernahm, entlastete er nicht den eigentlich verantwortlichen Elternteil.
Wir waren beide Eltern und mussten deshalb beide selbst wissen, was gerade gebraucht wurde.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Im Alltag merkt man den Unterschied aber schnell.
Es ist etwas anderes, eine Flasche zu machen, nachdem jemand darum gebeten hat, oder selbst zu merken, dass es gleich eine braucht. Es ist etwas anderes, einen Wickelrucksack zu tragen oder dafür verantwortlich zu sein, dass überhaupt alles darin ist.
Diese Form von Eigenständigkeit ist etwas, das wir aus unserer gemeinsamen Elternzeit mitgenommen haben.
Dann ging Robert wieder arbeiten
Mit der Rückkehr in den Beruf veränderte sich unsere Aufteilung ziemlich schnell.
Martin verbrachte nun deutlich mehr Zeit mit unserem Sohn. Dadurch erlebte er mehr Routinen, bemerkte manche Veränderungen früher und übernahm tagsüber zwangsläufig einen größeren Teil der unmittelbaren Betreuung.
Das wollten wir auch nicht künstlich wegdiskutieren.
Ein Bürotag und ein Tag mit einem Baby sind unterschiedliche Tage. Es ergibt für uns wenig Sinn, abends jede Aufgabe noch einmal rechnerisch auszugleichen, nur damit beide am Ende dieselbe Zahl an Tätigkeiten erledigt haben.
Schwieriger fanden wir eine andere Frage: Wie verhindern wir, dass aus „Martin ist gerade mehr zuhause“ irgendwann „Martin ist für Familie zuständig“ wird?
Damit beschäftigen wir uns bis heute.
Auch bei Nächten wurde die Sache komplizierter. Solange beide Elternzeit hatten, konnten wir Schlaf und Betreuung relativ unabhängig von einem Arbeitstag organisieren. Mit Roberts Rückkehr mussten plötzlich Erwerbsarbeit, Schlaf, Familienzeit und Erholung gemeinsam berücksichtigt werden.
Unsere Lösungen dafür haben sich seitdem mehrfach verändert.
Wie wir heute über diese Verteilung denken, erzählen wir ausführlicher in Mental Load und Care-Arbeit: Wie wir Verantwortung als zwei Väter fair teilen.
Mehr Zeit zuhause schafft natürlich Unterschiede
Martin kann Situationen, die tagsüber regelmäßig passieren, inzwischen oft schneller einschätzen. Er kennt manche Abläufe besser, schlicht weil er sie häufiger erlebt.
Das macht ihn nicht zum wichtigeren Elternteil.
Es wäre aber genauso künstlich, so zu tun, als würde die Menge gemeinsamer Alltagszeit überhaupt keinen Unterschied machen.
Für Robert bedeutet Vatersein seit der Rückkehr in den Beruf deshalb auch, eigene Zeit und eigene Verantwortung mit unserem Sohn zu behalten und nicht nur in einen bereits laufenden Alltag einzusteigen.
Er muss nicht alles genauso häufig erleben wie Martin. Aber die Beziehung zu unserem Sohn soll nicht hauptsächlich darüber laufen, dass Martin erklärt, wie etwas normalerweise gemacht wird.
Gerade darin wirkt unsere gemeinsame Elternzeit bis heute nach. Robert kennt das Gefühl, über längere Zeit selbst vollständig zuständig zu sein.
Für Robert hatte Elternzeit noch eine persönliche Ebene
Robert ist in den USA aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in Deutschland.
Wir möchten aus seiner Erfahrung keine allgemeine Geschichte darüber machen, wie amerikanische und deutsche Väter leben. Dafür sind Lebensläufe, Arbeitgeber und Familien viel zu unterschiedlich.
Für ihn persönlich war die Möglichkeit, drei Monate vollständig aus dem normalen Arbeitsalltag herauszugehen, trotzdem bemerkenswert.
In dieser Zeit musste Vatersein nicht um einen Arbeitstag herum organisiert werden. Es war einfach der Alltag.
Nach der Rückkehr in den Beruf fiel dadurch umso stärker auf, wie viel eines Tages plötzlich wieder von Erwerbsarbeit vorgegeben wird.
Dieser Kontrast hat auch unsere deutsch-amerikanische Perspektive auf Familie geprägt, ohne dass daraus für uns ein pauschales Deutschland-gegen-USA-Urteil wird.
Elternzeit löst die spätere Aufteilung nicht für einen
Dass wir beide am Anfang zuhause waren, hat uns nicht vor späteren Diskussionen über Arbeit und Care-Arbeit bewahrt.
Irgendwann kehren Arbeitszeiten zurück. Einkommen beeinflusst Entscheidungen. Einer ist vielleicht häufiger zuhause und kennt dadurch mehr Details. Aus einer praktischen Lösung kann relativ schnell eine feste Zuständigkeit werden, wenn man nicht mehr darüber spricht.
Deshalb würden wir heute nicht sagen: Nehmt beide Elternzeit, dann wird eure Elternschaft automatisch gleichberechtigt.
Unsere drei gemeinsamen Monate haben uns etwas anderes gegeben: Beide konnten erleben, wie es ist, nicht nur punktuell beteiligt, sondern für einen ganzen Tag und eine ganze Nacht verantwortlich zu sein.
Was man anschließend daraus macht, entscheidet sich erst im weiteren Familienleben.
Was wir heute anders planen würden
Vor der Geburt ließ sich Elternzeit bei uns relativ ordentlich in Monaten darstellen.
Drei Monate gemeinsam. Danach unterschiedliche Modelle. Auf dem Papier sah das übersichtlich aus.
Was wir damals schlechter einschätzen konnten, waren die Folgen der Zeit danach.
Wenn einer länger zuhause bleibt, geht es irgendwann nicht mehr nur um die Frage, wer gerade das Baby betreut. Es geht auch darum, wer bestimmte Routinen kennt, wer Termine und Entwicklungen zuerst mitbekommt, wie Erwerbsarbeit verteilt wird und was die Entscheidung langfristig für Einkommen oder berufliche Entwicklung bedeutet.
Das sind für uns gemeinsame Familienfragen, auch wenn die unmittelbaren Konsequenzen zunächst nur einen von uns betreffen.
Wenn wir heute etwas vor der Geburt klären würden, wäre deshalb weniger die perfekte Monatsaufteilung entscheidend.
Wir würden früher darüber sprechen, was passieren soll, wenn sich die Bedingungen ändern.
Wie organisieren wir Nächte, wenn einer wieder arbeitet? Wie behält der arbeitende Elternteil eigene Verantwortung? Wann prüfen wir, ob eine Regel noch funktioniert? Was bedeutet es langfristig für uns, wenn einer deutlich länger aus dem Beruf herausgeht?
Darauf muss man vor der Geburt keine endgültige Antwort haben. Uns hätte wahrscheinlich schon geholfen zu wissen, dass diese Fragen wiederkommen werden.
Die unspektakulären Tage waren wahrscheinlich die wichtigsten
Wenn wir an die ersten Monate zurückdenken, gibt es natürlich einzelne Momente, die besonders hängen geblieben sind.
Für unser Vatersein waren aber vermutlich viele Tage wichtiger, an denen überhaupt nichts Besonderes passiert ist.
Flaschen machen. Beruhigen. Wäsche. Müde sein. Noch einmal ausprobieren, warum das Kind gerade unzufrieden ist. Irgendwann selbst merken, was gebraucht wird, ohne zuerst den anderen zu fragen.
Diese Menge an gewöhnlichem Alltag lässt sich schwer in einen einzelnen großen Elternzeit-Moment übersetzen.
Genau darin lag für uns aber ein großer Teil ihres Wertes.
Wir hatten beide Zeit, Vatersein nicht nur in den Stunden nach Feierabend oder am Wochenende kennenzulernen.
Wenn du bei Papaarade weitergehen möchtest
Wenn dich interessiert, wie sich unsere Aufteilung nach der gemeinsamen Elternzeit entwickelt hat, lies bei Mental Load und Care-Arbeit weiter.
Unsere größere Themenwelt über Rollenverteilung, Vateridentität und unseren Alltag findest du unter Zwei Papas & Vaterschaft.
Roberts amerikanische Prägung und die Frage, wie unterschiedliche kulturelle Erfahrungen unseren Alltag in Deutschland beeinflussen, führen wir unter Deutschland & USA weiter.
Häufige Fragen zur Elternzeit für Väter
Können Väter Elternzeit nehmen?
Ja. Der gesetzliche Anspruch auf Elternzeit ist nicht auf Mütter beschränkt. Auch Väter können Elternzeit beanspruchen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Können beide Eltern gleichzeitig Elternzeit nehmen?
Grundsätzlich können beide Eltern gleichzeitig Elternzeit nehmen. Ob und in welchem Umfang parallel Elterngeld bezogen werden kann, ist eine separate Frage und richtet sich nach den dafür geltenden Regeln.
Ist Elternzeit dasselbe wie Elterngeld?
Nein. Elternzeit ist ein arbeitsrechtlicher Anspruch, Elterngeld eine staatliche Einkommensersatzleistung. Deshalb unterscheiden sich auch Voraussetzungen und mögliche Bezugszeiträume.
Wie lange können Väter Elternzeit nehmen?
Das BEEG sieht grundsätzlich einen mehrjährigen Elternzeitanspruch pro Kind vor. Die konkrete Aufteilung, Fristen und Möglichkeiten für spätere Zeiträume sollten anhand der aktuell geltenden Informationen des Familienportals geprüft werden.
Muss ein Vater während der Elternzeit vollständig aufhören zu arbeiten?
Elternzeit kann unter bestimmten Voraussetzungen mit Teilzeitarbeit kombiniert werden. Die jeweils geltenden Grenzen und arbeitsrechtlichen Voraussetzungen sollten vor der Planung aktuell geprüft werden.
Wie viele Väter nehmen in Deutschland Elternzeit?
Hier ist Vorsicht bei Statistiken sinnvoll. Häufig wird die Beteiligung von Vätern am Elterngeld ausgewiesen. Elterngeldbezug und Elternzeit sind aber nicht dasselbe und sollten deshalb nicht als identische Kennzahlen behandelt werden.
Wie lange sollten Väter Elternzeit nehmen?
Dafür kennen wir keine allgemeingültige Dauer. Drei Monate waren für Robert sehr prägend. Daraus folgt nicht, dass drei Monate für jede Familie richtig wären. Arbeitsbedingungen, Einkommen, persönliche Wünsche und die spätere Aufteilung spielen dabei eine Rolle.
Was davon geblieben ist
Unsere drei gemeinsamen Monate sind längst vorbei. Trotzdem merken wir bis heute, dass wir damals beide erfahren haben, wie es sich anfühlt, vollständig zuständig zu sein.
Das macht unsere spätere Aufgabenverteilung nicht automatisch fair und erspart uns auch keine Diskussion darüber, wer gerade mehr trägt.
Aber keiner von uns erlebt Vatersein als Rolle, in die er erst einsteigen muss, wenn der andere nicht verfügbar ist.
Vielleicht ist das der Teil unserer Elternzeit, der am stärksten geblieben ist.
Wir waren am Anfang beide zuhause und mussten gleichzeitig lernen, Vater zu sein.
Seitdem hat sich sehr viel an unserem Alltag verändert. Diese Ausgangslage nicht.
Redaktionsstand: 18. August 2026
Hinweis: Elternzeit und Elterngeld hängen von der individuellen Familien- und Erwerbssituation ab. Dieser Beitrag beschreibt unsere Erfahrungen und dient der Orientierung, nicht der individuellen Rechts- oder Leistungsberatung.
Quellen & weiterführende Ressourcen
Für die aktuelle Rechtslage zu Anspruch, Dauer, Anmeldung, Teilzeitarbeit und Kündigungsschutz ist das Familienportal des Bundes unsere erste Anlaufstelle:
Familienportal des Bundes: Elternzeit
Die gesetzlichen Grundlagen finden sich im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG):
Gesetze im Internet: Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz
Für Elterngeld, seine Varianten und die jeweils geltenden Voraussetzungen:
Familienportal des Bundes: Elterngeld
Für die gesellschaftliche Einordnung von Vaterschaft, gewünschter Betreuung und tatsächlicher Arbeitsteilung:
Bundesfamilienministerium: Väterreport 2023
Bundesfamilienministerium: Familienreport 2024
Für amtliche Daten zum Elterngeld:
Statistisches Bundesamt: Elterngeld
Redaktionsstand: 18. August 2026
Hinweis: Elternzeit und Elterngeld hängen von der individuellen Familien- und Erwerbssituation ab. Dieser Beitrag beschreibt unsere Erfahrungen und dient der Orientierung, nicht der individuellen Rechts- oder Leistungsberatung.
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