Erfahrungen schwuler Väter: Unser Weg von Kinderwunsch zum Familienalltag

Schwule Männer werden auf sehr unterschiedlichen Wegen Väter. Manche haben Kinder aus einer früheren Beziehung, andere entscheiden sich für Adoption oder Pflegeelternschaft, gründen eine Familie im Co-Parenting oder gehen für eine Tragemutterschaft ins Ausland.

Bei uns führte der Weg nach Kalifornien.

Wir sind Martin und Robert, seit 2012 ein Paar, seit 2020 verheiratet und seit Januar 2026 Väter. Unser Sohn entstand mithilfe einer gestationellen Tragemutterschaft in den USA.

Lange drehte sich bei uns fast alles um die Frage, wie wir überhaupt Eltern werden können. Heute beschäftigt uns viel stärker das, was danach gekommen ist: unser Alltag als zwei Väter, unterschiedliche Rollen, Verantwortung und die Frage, wann unsere Familienform tatsächlich eine Rolle spielt und wann wir einfach zwei Eltern mit denselben kleinen und großen Baustellen wie viele andere sind.

Welche Wege gibt es für schwule Männer mit Kinderwunsch?

Schon am Anfang unseres Kinderwunsches wurde uns klar, dass wir uns zunächst mit Möglichkeiten beschäftigen mussten, über die wir vorher wenig wussten.

Verheiratete gleichgeschlechtliche Paare können in Deutschland gemeinsam ein Kind adoptieren. Daneben kann Pflegeelternschaft ein Weg sein. Beim Co-Parenting planen Menschen gemeinsam Elternschaft, ohne notwendigerweise als Paar zusammenzuleben.

Für manche Männerpaare kommt außerdem eine Tragemutterschaft im Ausland infrage. Dabei unterscheiden sich die medizinischen, rechtlichen, ethischen und finanziellen Voraussetzungen erheblich danach, in welchem Land die Familiengründung stattfindet und wie die konkrete Situation aussieht.

Wir haben uns nach langer Auseinandersetzung für eine Tragemutterschaft in den USA entschieden.

Wenn dich dieser Weg interessiert, findest du unter Leihmutterschaft & Familiengründung unseren ausführlichen Bereich dazu. Dort erzählen wir unter anderem vom Ablauf in den USA, von der Auswahl unserer genetischen Mutter und unserer Tragemutter, vom medizinischen Prozess, von Kosten, Geburt und den Dokumenten nach der Geburt.

Unser eigener Weg nach Kalifornien

Bei der Entstehung unseres Sohnes waren unterschiedliche Menschen beteiligt.

Die Eizelle stammt von seiner genetischen Mutter. Unsere Tragemutter hat ihn ausgetragen und geboren. Einer von uns ist sein genetischer Vater. Seine Eltern sind wir beide.

Diese Rollen gehören zu seiner Geschichte, und wir möchten sie auch genauso benennen.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass unsere Erfahrung nur für unsere Familie sprechen kann. Eine Adoption bringt andere Fragen mit sich als eine Tragemutterschaft. Pflegeeltern erleben wiederum etwas anderes, und auch zwei Familien, die denselben Weg gewählt haben, können ganz unterschiedliche Erfahrungen machen.

Deshalb erzählen wir bei Papaarade möglichst konkret, wie Entscheidungen und Situationen bei uns aussahen, anstatt daraus eine Anleitung für schwule Männer mit Kinderwunsch zu machen.

Wer übernimmt bei zwei Vätern die Mutterrolle?

Diese Frage begegnet uns bis heute erstaunlich häufig.

Bei uns lautet die Antwort ziemlich schlicht: niemand.

Wir sind unterschiedliche Väter, reagieren nicht immer gleich und haben auch nicht in jeder Situation dieselben Stärken. Trösten, Füttern, Termine organisieren, nachts aufstehen oder Verantwortung für den Familienalltag übernehmen verstehen wir aber nicht als Aufgaben, für die einer von uns eine weibliche Elternrolle ersetzen müsste.

Hinter dieser persönlichen Frage steckt gleichzeitig eine größere gesellschaftliche: Braucht ein Kind für eine gesunde Entwicklung zwingend eine Mutter?

Damit haben wir uns ausführlich und anhand aktueller Forschung beschäftigt in Braucht ein Kind eine Mutter? Was die Wissenschaft wirklich sagt.

Unsere Familienform bringt außerdem Fragen zur genetischen Herkunft mit sich. Darüber können wir öffentlich erzählen, solange wir über unseren Weg sprechen. Die persönliche Geschichte unseres Sohnes gehört aber nicht automatisch ebenfalls in die Öffentlichkeit. Er soll später selbst mitentscheiden können, was davon andere Menschen wissen.

Deshalb bleibt für Papaarade eine Grenze besonders wichtig: Wir zeigen unsere Elternschaft, nicht seine Kindheit.

Recht und Statistik: Zwei Dinge, bei denen Genauigkeit wichtig ist

Auch rechtlich gibt es nicht die eine Situation schwuler Väter.

Verheiratete gleichgeschlechtliche Paare können in Deutschland gemeinsam ein fremdes Kind adoptieren. Bei anderen Wegen zur Elternschaft hängt die rechtliche Situation dagegen stark von der jeweiligen Familienkonstellation ab.

Unser eigener Fall nach einer Tragemutterschaft in Kalifornien ist dafür ein gutes Beispiel. Wie unsere Elternschaft rechtlich abgesichert wurde und welche Schritte nach der Geburt notwendig waren, erklären wir deshalb separat unter Leihmutterschaft USA: Ablauf & Anerkennung.

Gerade bei rechtlichen Fragen würden wir aus der Erfahrung einer anderen Regenbogenfamilie nie automatisch auf die eigene Situation schließen.

Auch bei Zahlen lohnt sich ein genauer Blick. Das Statistische Bundesamt erfasste im Mikrozensus 2024 rund 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit minderjährigen Kindern im gemeinsamen Haushalt. Etwa 9.000 davon waren Männerpaare.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es in Deutschland insgesamt 9.000 Familien mit schwulen Vätern gibt. Die Statistik bildet bestimmte Haushaltskonstellationen ab und erfasst beispielsweise nicht jeden schwulen Vater, der getrennt vom anderen Elternteil lebt.

Was sich aus diesen Zahlen sagen lässt und was nicht, haben wir in Regenbogenfamilien in Deutschland: Zahlen, Statistik und Forschung genauer aufgeschrieben.

Irgendwann wurde aus Kinderwunsch einfach Familienalltag

Die Familiengründung war über Jahre ein riesiges Projekt.

Wir beschäftigten uns mit Agenturen und Verträgen, medizinischen Entscheidungen, der Schwangerschaft auf Distanz, Reisen in die USA, Geburt und Dokumenten. Vieles daran war außergewöhnlich und ganz unmittelbar mit unserer Familienform verbunden.

Seit unser Sohn da ist, sieht ein großer Teil unseres Lebens sehr viel gewöhnlicher aus.

Wir überlegen, wann er schläft, wer nachts aufsteht, wie Arbeit und Familie zusammenpassen, wer gerade welche Aufgabe übernimmt und ob eine Routine, die vor zwei Wochen wunderbar funktioniert hat, inzwischen wieder komplett überholt ist.

Dass wir zwei Männer sind, verschwindet dadurch nicht. Es ist nur nicht für jede Situation die wichtigste Information.

Für unseren Kinderwunsch war unsere Familienform entscheidend. Bei bestimmten rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen bleibt sie es. Wenn es dagegen darum geht, wer morgens müde ist oder wer gerade den größeren Teil des Mental Loads trägt, sind unsere Persönlichkeiten und unsere Lebenssituation oft viel relevanter.

Wenn dich genau dieser heutige Teil unseres Lebens interessiert, ist Zwei Papas & Vaterschaft der bessere Einstieg.

Wenn aus normalen Zweifeln zusätzlicher Druck wird

Manchmal wird unsere Familienform allerdings wieder sehr präsent.

Wir haben erlebt, dass Menschen nicht einfach eine einzelne Entscheidung von uns kritisieren, sondern daraus eine Aussage darüber machen, ob zwei Männer überhaupt gute Eltern sein können.

Dann kann sich zu einer normalen Unsicherheit plötzlich ein anderer Gedanke gesellen: Was, wenn jemand unseren Fehler als Bestätigung für ein Vorurteil über schwule Väter versteht?

Wir kennen diesen Druck selbst. Gerade durch unsere öffentliche Sichtbarkeit mussten wir erst lernen, dass wir nicht mit jeder Situation gleichzeitig beweisen müssen, dass eine Zwei-Väter-Familie funktioniert.

Darüber geht es ausführlicher in Unsicher als schwuler Vater: Druck, Erwartungen und innere Stärke.

Unsere Erfahrung bleibt unsere Erfahrung

Wir sind zwei verheiratete Männer in München. Unsere Familie entstand durch Tragemutterschaft in Kalifornien. Robert ist Amerikaner, Martin Deutscher, und auch diese unterschiedlichen Biografien prägen unser Familienleben.

Ein schwuler Vater nach einer Adoption kann an ganz anderen Punkten stehen. Jemand, der Kinder aus einer früheren Beziehung hat, bringt eine andere Geschichte mit. Dasselbe gilt für Pflegeväter, Co-Parenting-Familien oder Väter, die getrennt vom anderen Elternteil leben.

Gerade deshalb finden wir andere Perspektiven spannend.

Für uns geht es bei Sichtbarkeit heute weniger darum, eine möglichst repräsentative Geschichte schwuler Väter zu erzählen. Das könnten wir ohnehin nicht. Interessanter ist für uns, unsere eigene Erfahrung so konkret zu erzählen, dass andere Menschen etwas darin wiederfinden können, ohne behaupten zu müssen, dass es bei ihnen genauso sein wird.

Was Sichtbarkeit für uns heute bedeutet

Papaarade entstand auch deshalb, weil wir während unserer Familiengründung viele Informationen mühsam zusammensuchen mussten und kaum deutschsprachige Einblicke von Menschen fanden, die einen ähnlichen Weg gegangen waren.

Diesen Teil möchten wir weitergeben.

Inzwischen ist aber etwas anderes dazugekommen. Wir möchten zeigen, dass eine Familie mit zwei Vätern weder ständig außergewöhnlich noch völlig losgelöst von gesellschaftlichen Fragen ist.

Manchmal ist es wichtig, dass wir schwule Väter sind. Manchmal spielt es im konkreten Moment überhaupt keine Rolle.

Genau diese Mischung entspricht unserem Leben wahrscheinlich besser als der Versuch, aus jeder Alltagssituation eine Geschichte über Regenbogenfamilien zu machen.

Wenn du von hier weitergehen möchtest

Wenn du selbst über Familiengründung nachdenkst und besonders unser Weg über die USA interessant für dich ist, beginne bei Leihmutterschaft & Familiengründung. Dort findest du auch die vertiefenden Seiten USA: Ablauf & Anerkennung und Eizellspende USA: Ablauf, Auswahl und Erfahrungen.

Für unseren heutigen Familienalltag, unterschiedliche Vaterrollen, Elternzeit, Mental Load und Verantwortung führt der Weg zu Zwei Papas & Vaterschaft.

Wenn du nach Forschung, gesellschaftlicher Einordnung oder rechtlichen Fragen rund um Regenbogenfamilien suchst, findest du diese Themen unter Regenbogenfamilie, Recht & Sichtbarkeit.

Und wenn dich besonders die Frage beschäftigt, wie sich zusätzlicher Erwartungsdruck auf schwule Väter auswirken kann, lies weiter bei Unsicher als schwuler Vater.

Häufige Fragen zu schwulen Vätern

Wie können schwule Männer Väter werden?

Familien schwuler Männer entstehen auf unterschiedlichen Wegen. Dazu gehören unter anderem Adoption, Pflegeelternschaft, Co-Parenting, Kinder aus früheren Beziehungen oder Tragemutterschaft in Ländern, in denen entsprechende Modelle rechtlich möglich sind. Welche medizinischen und rechtlichen Voraussetzungen gelten, hängt stark vom jeweiligen Weg und Land ab.

Können zwei Männer in Deutschland gemeinsam ein Kind adoptieren?

Verheiratete gleichgeschlechtliche Paare können gemeinsam ein fremdes Kind adoptieren. Für andere Familienkonstellationen können andere rechtliche Voraussetzungen gelten.

Wer übernimmt bei zwei Vätern die Mutterrolle?

In unserer Familie übernimmt niemand diese Rolle. Wir sind zwei unterschiedliche Väter mit jeweils eigener Beziehung zu unserem Sohn. Ob ein Kind entwicklungspsychologisch zwingend eine Mutter braucht, behandeln wir separat anhand der aktuellen Forschung.

Wie viele Zwei-Väter-Familien gibt es in Deutschland?

Für 2024 erfasste Destatis rund 9.000 Männerpaare mit minderjährigen Kindern im gemeinsamen Haushalt. Daraus lässt sich nicht die Gesamtzahl schwuler Väter in Deutschland ableiten, weil die Statistik nicht jede Familien- und Haushaltskonstellation erfasst.

Ist euer Weg typisch für schwule Väter?

Das wissen wir nicht und würden es auch nicht behaupten. Unsere Familie entstand durch Tragemutterschaft in Kalifornien. Andere schwule Väter haben andere Wege, Lebenssituationen und Erfahrungen.

Quellen und offizielle Informationen

Für die rechtlichen Grundlagen zu Adoption beziehen wir uns auf das Familienportal des Bundes.

Die statistischen Angaben stammen aus der korrigierten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes zu Regenbogenfamilien im Mikrozensus 2024.

Inhaltlicher und Quellenstand: 18. August 2026