Wie wir unser Baby bei einer Leihmutterschaft in den USA bekommen haben

Veröffentlicht am 3. Februar 2026 um 19:01

Ein persönlicher Geburtsbericht zwischen Warten, Dankbarkeit und Ankommen

Die Geburt eines Kindes ist immer ein Ausnahmezustand. Bei einer Leihmutterschaft in den USA kommt eine zusätzliche Ebene dazu: räumliche Distanz, rechtliche Rahmenbedingungen, medizinische Abläufe und das emotionale Spannungsfeld, jemandem zutiefst dankbar zu sein und gleichzeitig selbst Eltern zu werden.

In diesem Geburtsbericht zur Leihmutterschaft in den USA teilen wir unsere persönliche Erfahrung. Nicht als allgemeingültige Anleitung, sondern als ehrlichen Einblick. Vom Ankommen in Kalifornien über das lange Warten, die Geburt im Krankenhaus, Bonding direkt nach der Geburt bis hin zu Bürokratie und Abrechnung.

Wenn du selbst über eine Leihmutterschaft nachdenkst oder gerade mitten in diesem Prozess steckst, soll dir dieser Artikel Orientierung geben und dir zeigen, wie sich diese besondere Phase anfühlen kann.

Hinweis zur Einordnung: Dieser Artikel basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen sowie Gesprächen mit medizinischem Fachpersonal und dem Krankenhaus. Medizinische, rechtliche und organisatorische Abläufe können je nach Bundesstaat, Klinik und individueller Situation abweichen.

Ankunft in den USA: Warum wir früh angereist sind

Wir sind Ende Dezember nach Los Angeles geflogen, etwa zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Uns wurde im Vorfeld gesagt, dass IVF-Babys häufiger bereits in der 39. Schwangerschaftswoche geboren werden. Unsere Tragemutter hat bei früheren Geburten ebenfalls in Woche 38 entbunden. Entsprechend waren wir mental darauf eingestellt, dass es jederzeit losgehen könnte.

Die ersten vier Nächte haben wir bewusst in einem Motel nahe dem Flughafen verbracht. Diese Zeit wollten wir nutzen, um anzukommen und noch etwas von Los Angeles zu sehen. Wir waren in Disneyland, Beverly Hills, Downtown LA, bei der Warner-Bros-Studio-Tour, in Venice Beach und Santa Monica.

So schön diese Tage waren, wirklich entspannt waren sie nicht. Man ist innerlich ständig auf Abruf. Jeder Anruf, jede Nachricht könnte der Moment sein.

Danach sind wir in unser Airbnb gezogen, etwa anderthalb Stunden entfernt, dort wo unsere Tragemutter lebt. Ab diesem Moment war klar: Jetzt bleiben wir hier.

Mehr Einordnung zu unserem Familienmodell findest du auf der Pillar-Seite Regenbogenfamilie.

Warten auf die Geburt: Wenn alle Zeichen da sind - aber nichts passiert

Das Warten war emotional anspruchsvoll. Einerseits hatten wir Zeit, das Airbnb einzurichten, Babyprodukte auszupacken und alles vorzubereiten. Das gab uns ein Gefühl von Kontrolle.

Gleichzeitig zeigte der Körper unserer Tragemutter seit Weihnachten klare Signale: regelmäßige Braxton-Hicks-Wehen, mehrere Membrane Sweeps, ein über zwei Wochen bereits etwa 3,5 cm geöffneter Muttermund. Alles deutete darauf hin, dass es jederzeit losgehen könnte.

Und doch passierte tagelang nichts.

Dieses Warten ist mental fordernd. Jeder Tag beginnt mit Hoffnung und endet mit erneutem Innehalten.

Warum wir uns für eine sanfte Einleitung entschieden haben

Nach Überschreiten des errechneten Geburtstermins haben wir uns gemeinsam mit unserer Tragemutter und dem medizinischen Team für eine sanfte Einleitung in der 41. Schwangerschaftswoche entschieden.

Das Fruchtwasser wurde langsam knapper, dem Baby ging es zu jedem Zeitpunkt gut. In den USA sind ab dem Termin zwei Kontrolluntersuchungen pro Woche üblich. Diese waren bei uns immer unauffällig.

Trotzdem war für uns klar: Wir möchten nicht unbegrenzt weiter warten, auch weil mit jedem Tag, der vergeht, das Risiko von Komplikationen steigt. 

Unsicherheit rund um das Krankenhaus: Unser wichtigstes Learning

Parallel zur Einleitung gab es eine weitere große Unsicherheit. Durch Änderungen in Versicherungsnetzwerken zum Jahreswechsel war zeitweise unklar, in welchem Krankenhaus die Geburt stattfinden darf.

Das war belastend und ehrlich gesagt auch beängstigend. Unser wichtigstes Learning aus dieser Phase: Rechnet immer damit, dass sich Rahmenbedingungen kurzfristig ändern können. Wenn möglich, plant einen Backup-Plan ein.

Am Ende kam die Bestätigung, dass die Geburt im Wunschkrankenhaus unserer Tragemutter stattfinden kann. Dieses lag nur fünf Minuten von unserem Airbnb entfernt. Eine enorme Erleichterung.

Wie läuft eine Geburt bei Leihmutterschaft in den USA ab?

Der Geburtsplan: Warum für alle klar war, was wann passiert

Bereits im Vorfeld hatten wir gemeinsam mit unserer Tragemutter einen detaillierten Geburtsplan abgestimmt. Dieser wurde nicht nur zwischen uns besprochen, sondern auch dem Krankenhaus vorab zur Verfügung gestellt. So war für alle Beteiligten klar geregelt, wie die Geburt ablaufen soll, wer zu welchem Zeitpunkt verantwortlich ist und welche Wünsche berücksichtigt werden.

In diesem Geburtsplan wurde unter anderem festgehalten,
dass wir bei der Geburt im Kreißsaal dabei sind,
wer die Nabelschnur durchschneidet,
wie das Bonding direkt nach der Geburt abläuft,
wie das Rooming organisiert ist
und welche medizinischen Entscheidungen im Voraus getroffen wurden.

Diese klare Abstimmung hat uns in einem sehr emotionalen Moment viel Sicherheit gegeben. Wir mussten nichts erklären, nichts diskutieren – alle wussten, was vereinbart war.

Unsere Tragemutter wurde gegen 18 Uhr im Krankenhaus aufgenommen. Wir sollten gegen 19:30 Uhr da sein. Wir lernten ihren Mann kennen, unterhielten uns und versuchten ruhig zu bleiben. Es war eine unglaublich schöne, ruhige und besondere Atmosphäre und wir fühlten uns sehr verbunden.

Nach dem Öffnen der Fruchtblase wurden die Wehen sehr schnell sehr intensiv. Es war ihre vierte Geburt, und sie sagte selbst, dass diese eine der schmerzhaftesten war. Eine geplante PDA kam nicht mehr zustande, weil das Baby dann sehr schnell kam.

Ihr ging es insgesamt gut. Die Wehen waren nach ihrer Aussage deutlich schlimmer als das eigentliche Pressen.

Die ersten Minuten nach der Geburt

In den USA wird empfohlen, etwa eine Minute mit dem Abnabeln zu warten, damit das Blut aus der Nabelschnur noch in den Körper des Babys fließen kann. Danach durfte ich die Nabelschnur durchtrennen. Ein sehr besonderer Moment.

Unser Sohn wurde direkt nach der Geburt untersucht, während sich das medizinische Team um unsere Tragemutter kümmerte. Anschließend wurde er mit uns in unser eigenes Zimmer gebracht.

Bonding nach der Leihmutterschafts-Geburt: Warum es so wichtig ist

Wir hatten etwa 90 Minuten ununterbrochenen Haut-zu-Haut-Kontakt. In dieser Zeit sind Babys besonders wach und nehmen ihre Umgebung intensiv wahr: Stimmen, Gerüche, Herzschlag.

Gerade bei einer Tragemutterschaft ist dieses Bonding besonders wichtig. Unser Sohn hatte neun Monate im Körper der Tragemutter verbracht. Jetzt durfte er bei uns ankommen.

Er wurde kurz nach Mitternacht geboren. Unsere Tragemutter übernachtete im Zimmer nebenan und durfte bereits am nächsten Nachmittag nach Hause.

Krankenhausalltag mit Neugeborenem in den USA

In den USA müssen Neugeborene mindestens 24 Stunden im Krankenhaus bleiben, da in diesem Zeitraum das Neugeborenen-Screening stattfindet. Wir waren insgesamt zwei Nächte dort.

Zur Ruhe kommt man kaum. Es gibt ständig Checks, Blutabnahmen, Schichtwechsel, Fiebermessen und Visiten. Gleichzeitig muss man alle zwei bis drei Stunden füttern und wickeln.

Man schläft sehr wenig, aber man funktioniert. Vieles läuft auf Adrenalin, Aufregung und Liebe.

Wir haben auch bewusst Zeit mit unserer Tragemutter verbracht. Nach ihrer Entlassung hat sie uns eine Sprachnachricht geschickt, in der sie sagte, wie sehr sie sich für uns freut. Das war für uns sehr berührend.

Bürokratie & Kosten: Was internationale Eltern wissen sollten

Für internationale Eltern ist die Abrechnung ein zentraler Punkt. Unser Sohn wurde als Self-Pay registriert. Entscheidend ist, dass keine Kosten der Krankenversicherung der Tragemutter zugeordnet werden, da diese ausschließlich ihre eigenen medizinischen Leistungen abdeckt. Es gibt aber auch internationale Neugeborenenversicherungen und in manchen fällen zahlt die deutsche PKV. Informiert euch im Vorfeld genau und wägt das Risiko klug ab. 

Unsere Krankenhausrechnung lag bei etwa 5.000 US-Dollar für eine unkomplizierte Geburt inklusive eigenem Zimmer.

Wir haben zudem mit der Birth Clerk gesprochen. Wichtig ist, dass das Krankenhaus zusammen mit dem Certificate of Live Birth auch das Pre-Birth-Judgement an das Office of Vital Records weiterleitet. Bei uns wurde das zunächst nicht gemacht, was den Prozess verzögert hat. Zwei bis drei Wochen Bearbeitungszeit sind bei Tragemutterschaftsfällen leider nicht ungewöhnlich.

Mehr Details findest du im Artikel Leihmutterschaft USA Kosten & Ablauf.

Was du aus unserem Geburtsbericht mitnehmen kannst

  • Das Warten ist emotional oft der schwierigste Teil

  • Ein klarer Birth Plan schafft Sicherheit

  • Bonding ist auch bei Tragemutterschaft intensiv möglich

  • Krankenhausabläufe in den USA sind sehr strukturiert

  • Bürokratie braucht Geduld und aktives Nachfragen

Mini-FAQ: Geburt bei Leihmutterschaft in den USA

Dürfen Wunscheltern bei der Geburt dabei sein?

Ja, wenn dies im Birth Plan festgelegt und mit dem Krankenhaus abgestimmt ist.

Wie lange bleibt ein Neugeborenes im Krankenhaus?

Mindestens 24 Stunden wegen des verpflichtenden Screenings.

Wie teuer ist eine Geburt in den USA ohne Versicherung?

Die Kosten variieren stark. Bei uns lagen sie bei etwa 5.000 US-Dollar für eine unkomplizierte Geburt.

Warum sich Krankenhäuser in den USA kurzfristig ändern können

In den USA werden Krankenversicherungen jedes Jahr neu abgeschlossen. Der Zeitraum dafür liegt meist zwischen November und Januar. In dieser Zeit verhandeln Versicherungen und Krankenhäuser neu, ob sie weiterhin Teil desselben Versicherungsnetzwerks bleiben.

Das bedeutet:
Ein Krankenhaus, das im einen Jahr „im Netzwerk“ ist, kann im nächsten Jahr plötzlich nicht mehr abgedeckt sein. Gerade rund um den Jahreswechsel kann daher kurzfristig unklar werden, in welchem Krankenhaus eine Geburt stattfinden darf.

Für Eltern auf Leihmutterschaftsreise heißt das:
Auch scheinbar feste Pläne können sich noch kurz vor der Geburt ändern. Ein Backup-Plan kann viel Stress ersparen.

Hinweis: Diese Abläufe können je nach Bundesstaat, Versicherung und Klinik unterschiedlich sein. Informiert euch dringend im Vorfeld.

Was steht typischerweise in einem Geburtsplan bei Leihmutterschaft in den USA?

Typische Punkte in einem Geburtsplan bei Leihmutterschaft in den USA sind:

Anwesenheit der Wunscheltern im Kreißsaal

Rollenverteilung während der Geburt

Wer die Nabelschnur durchschneidet

Ablauf des Bondings nach der Geburt

Rooming-in-Regelung für das Baby

Erste medizinische Untersuchungen und Screenings

Zustimmung zu Standardimpfungen (z. B. Vitamin K, Hepatitis B)

Entscheidung zur Beschneidung (falls relevant)

Umgang mit Muttermilch oder Spende

Übergabe des Babys nach der Geburt

Das sorgt für klare Abläufe und verhindert Missverständnisse in einer sehr sensiblen Situation.


Diese Geburt war intensiv, emotional und lebensverändernd. Wir sind unendlich dankbar. Für unsere Tragemutter, für das medizinische Team und dafür, dass wir diesen Moment gemeinsam erleben durften.

Wenn du dich gerade in dieser Phase befindest: Du darfst nervös sein. Du darfst überwältigt sein. Und du darfst ankommen.

Mehr persönliche Einblicke hörst du im begleitenden Podcast.

Wie hast du die Zeit rund um die Geburt erlebt?